Öffentlich zugängliche Literatur

Gemäß der europäischen Verordnung über Pflanzenschutzmittel ((EG) 1107/2009) muss das von einem Antragsteller eingereichte wissenschaftliche Dossier, von Fachleuten überprüfte offene Literatur über den Wirkstoff und alle relevanten Metaboliten enthalten, die in den letzten zehn Jahren vor dem Datum des Antrags auf Erneuerung veröffentlicht wurden.

Verschiedene Interessengruppen haben Bedenken hinsichtlich der Auswahl der Studien aus der offenen Literatur geäußert, die in den bei den Zulassungsbehörden im Rahmen der Neubewertung des Wirkstoffs Glyphosat eingereichten Dossiers enthalten sind. Es wurde angedeutet, dass die Industrie im Bewertungsprozess voreingenommen ist, Studien selektiv verwendet, veröffentlichte Daten auslässt und von der Industrie finanzierte Studien gegenüber von Fachleuten überprüften Studien aus der freien Literatur bevorzugt.

Antragsteller, die ein wissenschaftliches Dossier für eine Wirkstoffzulassung einreichen (wie es bei dem wissenschaftlichen Dossier der GRG der Fall war), müssen jedoch einen festgelegten und genehmigten Bewertungsprozess einhalten, um sicherzustellen, dass keine relevanten Studien aus der freien Literatur übersehen werden. 

Im Rahmen der GRG-Transparenzbemühungen geben wir einen Überblick über den Prozess der Literaturauswertung bei der Erstellung eines wissenschaftlichen Dossiers, der auch bei der Erstellung des Dossiers 2020 stattgefunden hat (die Schritte sind unten auch in Diagrammform dargestellt). 

In einem ersten Schritt wurden zahlreiche verschiedene Datenbanken durchsucht, wobei weit gefasste generische Suchbegriffe verwendet wurden, um “so viel relevante wissenschaftliche, von Experten begutachtete offene Literatur wie möglich” zu sammeln, wie es in den EFSA-Leitlinien zur Einreichung von Experten begutachteter offener Literatur heißt. Insgesamt waren 39 482[1] Veröffentlichungen Teil der ursprünglichen Suchergebnisse für Glyphosatstudien. 

Die Ergebnisse wurden anschließend gesichtet und alle Duplikate wurden entfernt. Nach der Entfernung von Duplikaten wurden insgesamt 13.707 Datensätze für den nächsten Schritt des Prozesses verwendet: die Relevanzprüfung.

Die Relevanzprüfung umfasst eine erste Prüfung auf der Ebene des Titels und der Zusammenfassung der Studien, gefolgt von einer detaillierten Bewertung auf Volltextebene, falls Unsicherheiten hinsichtlich der Relevanz der offenen Literatur für die wissenschaftliche Bewertung bestehen. Insgesamt wurden 9.784 Publikationen nach der Relevanzprüfung als “nicht relevant” für den Erneuerungsprozess eingestuft. 

Der letzte Schritt der Literaturrecherche war die Zuverlässigkeitsbewertung des Volltextes der identifizierten Studien. 

Insgesamt 178 Studien wurden als relevant und zuverlässig eingestuft und in das wissenschaftliche Dossier aufgenommen, das die GRG der AGG vorlegte. Die AGG prüfte die vorgeschlagene Auswahl relevanter und zuverlässiger Artikel aus der öffentlichen Literatur und forderte die GRG anschließend auf, etwa 100 zusätzliche Studien aus der offenen Literatur zur Toxikologie und etwa 380 Studien aus der offenen Literatur zur Umweltsicherheit vorzulegen, die in die umfassende wissenschaftliche Bewertung von Glyphosat aufgenommen werden sollten.

Es ist wichtig anzumerken, dass einige Studien, die als nicht relevant eingestuft werden, zusammen mit einer entsprechenden Begründung im Dossier aufgeführt werden, damit sie später von der AGG, der EFSA oder der Öffentlichkeit geprüft werden können.

Industriestudien werden gegenüber von Fachleuten überprüften Studien aus der freien Literatur nicht bevorzugt.

Zuverlässigkeit, Replikation und Validität bilden die Grundlage für die Einbeziehung aller relevanten und zuverlässigen wissenschaftlichen Studien in die Sicherheitsbewertung eines Pflanzenschutzmittelwirkstoffs wie Glyphosat.

Der Entwurf des Berichts über die Erneuerung der Bewertung ist inzwischen auf den Webseiten der EFSA und der ECHA öffentlich zugänglich. So kann man sich darüber informieren, wie das AGG die öffentliche Literatur ausgewertet hat.

Die folgenden Dokumente sind von Interesse und enthalten ausführliche Kommentare zur Meinung der AGG über die Bewertung der Relevanz und Zuverlässigkeit sowie ihre Forderung nach zusätzlichen Artikeln aus der öffentlichen Literatur:

  • Tox: Document “Glyphosate_RAR_14_Volume_3CA_B-6.7 – B-6.10_2021-08-10.pdf” – pages 770 – 922
  • Ecotox: Document “Glyphosate_RAR_20_Volume_3CA_B-9_Appendix literature search_2021-08-10.pdf” – 580 pages
  • Biodiversity: Document “Glyphosate_RAR_30_Volume_3CP_MON 52276_B-9_App_lit_biodiv_2021-08-10.pdf” – 97 pages 

 

[1] Die Zahlen sind im Literatur-Review-Bericht zu finden: Wissenschaftlich begutachtete offene Literatur für die Zulassung der Pestizidwirkstoffe Glyphosat und Metaboliten (“KCA 9-001_108689-CA9-1_LRR_Anonymus_2020.pdf”), den Sie über unsere GRG-Webseite bestellen können.
Um den Literatur-Review-Bericht zu bestellen, gehen Sie auf diesen Link, klicken Sie auf die Referenzliste für 2020, gehen Sie auf die letzte Seite des heruntergeladenen PDFs (Seite 51) und klicken Sie, um Ihr Exemplar zu bestellen. Nachdem Sie den Bedingungen zugestimmt haben, erhalten Sie in wenigen Tagen ein Exemplar des Berichts.